Texte

Dokumentation

Zusammenstellung von Interviews Geflüchteter und Berichte von der Arbeit der Flüchtlingshilfe

 

Wortgefühle

Ich kann meinen Gedanken nachgehen… muss mich nicht mehr rechtfertigen für einen zu starken Atemzug, für einen zu schwachen Atemzug, für einen zu lauten Atemzug, für einen zu leisen Atemzug;

Essay – Vom Lesen – aus der Perspektive einer Grundschullehrerin

Während des Lesens über das Lesen bzw. Nichtlesenkönnen hessischer und anderer Kinder wächst in mir Unmut über einseitige, zu kurz gegriffene Ursachenerklärungen und Pauschalbeurteilungen. Das Schulsystem wird an den Pranger gestellt , die Lehrer wegen Inkompetenz verantwortlich gemacht…

Ansprache

S. spricht stockend und leise. Was sie auch sagt, ihr Gegenüber bleibt stumm, unverwandt auf S. blickend, die ihren Kopf ebenso starr auf ihr Gegenüber richtet. S. redet mit ihrem Gegenüber als hielte sie Zwiesprache. Und es scheint, als verstünden sie sich bestens, in grenzenlosem Einvernehmen, beide traurige Befindlichkeit ausdrückend.  

cafe au lait

Braune Beine, schöne Beine, muskulöse Beine, krumme Beine, gerade Beine, dünne Beine, dicke Beine; Männerbeine, Frauenbeine, Kinderbeine. Beine in Sandalen, Beine in Turnschuhen, Beine in Trekkingschuhen, mit Socken, ohne Socken. Um die Beine und über den Beinen schlackern Baguette. Ein Baguette, zwei Baguettes, drei, vier, fünf. Die Baguette sind alle gleich, die Beine nicht. Die weitaus meisten Beine stecken in Shorts oder in weiten Bermudas oder unter Schlabberkleidern oder unter Strandröckchen. Die Menschen tragen ihre Baguettes unterm Arm

Mein Garten

Mein Garten hat viele Gesichter: ein Frühlingsgesicht, ein Sommergesicht, ein Herbst- und ein Wintergesicht. Siebenundzwanzig Jahren blicke ich nun in die Jahresgesichter meines Gartens und sie sind mir sehr vertraut. Ich erwarte

Der Stuhl vor dem Fenster

Der Stuhl vor dem Fenster mit Blick auf den alten Turm des Dorfes, der Trauerweide zur Linken und dem offenen Blick zum Himmel zur Rechten ist ihr Lieblingsplatz. Meist nimmt sie teilnahmslos und mit starrem Blick darauf Platz. Mit dem Versuch sich sammelnd in ihren Gefühlen und sich findend in ihren Gedanken. Das ist nicht einfach.

Reisereportagen – Impressionen

Eine Winterreise im Norden Europas, 2020  
Auf der ‚MS Nordkapp‘ entlang der norwegischen Küste

Auf der ‚MS Nordkapp‘ entlang der norwegischen Küste…

Rundum Meer

Französisch Polynesien und Cook Island – 2018

Auf der anderen Seite der Erde. Zwölf Stunden Zeitunterschied. Mehr geht nicht. Der Empfang in Papetee, der Hauptstadt Tahitis, weckt nach 22 Stunden Flug zum ersten Mal Südseefeeling: blumig buntbehemdete Musiker und lächelnde Sängerinnen mit Blüten im Haar oder Blumenkränzen um den Hals tanzen nach rhythmischen Klängen…

Ein Geheimtipp, der unter Inselliebhabern keiner ist. – Hiddensee 2018

Ich habe wieder Stunden erlebt, die unvergleichlich sind. Diese Klarheit! Dieses stumme und mächtige Strömen des Lichtes! Dazu die Freiheit im Wandern über die pfadlose Grastafel. Dazu der Salzgeschmack auf den Lippen…Köstlich. (Hiddenseenotizen aus Gerhart Hauptmanns Tagebüchern, 1912) Die kleine Schwester von Rügen

Karibik-Inselhopping – Von A nach B und von B nach C – 2017

Wer Meer liebt, bekommt Meer. Und mehr. Die drei Karibik-Inseln, genannt ABC-Inseln, Aruba, Bonaire und Curacáo, zu den Kleinen Antillen gehörend, zu den ‚Inseln unter dem Winde‘ zählend, dem Wind abgewandt, entsprechend hurrikansicher, liegen zwischen 50 und 70km vor der Küste Südamerikas und sind etwa jeweils eine halbe Flugstunde voneinander entfernt. Von Amsterdam erreicht man sie in einem 12 Stunden Flug. Wir landen zuerst auf Curacáo, dessen Hauptstadt Willemstad mit seiner bunten Häuserfront eines der bekannten schönen Fotomotive bietet. Die rot, gelb, orange, blauen Farben der Häuser

Uruguay und Paraguay – Matetee, Estancias, viel Platz für Rinder und mehr -2016

Zwei kleine Länder zwischen vielen großen. Zwei weniger bekannte in Südamerika zwischen sehr bekannten. Zwei weniger bereiste zwischen viel bereisten. Ein paar Fakten als Einstieg: Uruguay mit seiner Fläche von etwa 176 000 q² Fläche hat 3,5 Mill. Einwohner, von denen 41% im Großraum Montevideo leben und 13 Millionen Rinder. Viermal so viele Rinder wie Menschen! Paraguay, mehr als doppelt so groß

Auf dem Schiff Grönlands Westküste entlang – 2015
Eisberge, Mittsommersonne und Olga von der Wolga

Die Daten sprechen für sich: Grönland ist die größte Insel der Erde, sechseinhalb mal so groß wie Deutschland und hat 56 000 Einwohner. 85 Prozent ihrer Fläche ist mit Innlandeis bedeckt. Geografisch gehört Grönland zu Amerika, staatspolitisch zu Dänemark. Die Grönländer leben an den Küsten ihres Landes, entlang der Fjorde, sie jagen und fischen, fahren Boote anstatt Autos, fahren Hundeschlitten und Schneemobile. Unsere Schiffsroute beginnt in Kangerlussuag und endet ca. 1500 Seemeilen oberhalb des nördlichen Polarkreises. Täglich legt das Schiff zwischen 200 und 300 Seemeilen zurück. Wir sind keine Kreuzfahrtschiffer und wollten auf einem möglichst kleinen Schiff an Bord gehen. Die Reise hatten wir auf der MS Hamburg gebucht – nun fahren wir auf der MS Deutschland. Ein Schiffsschraubenschaden

Reisegruppenfeeling – 2015
Wo kommen Sie denn her?

Manchmal ist es bei Reisen, in meinem Falle Gruppenreisen, so, dass die Reiseteilnehmer ein größeres Reiseerlebnis bieten als das Reiseziel selbst. Gruppenreisen muss man wollen und mögen und ‚können‘. Sie bieten Vor- und Nachteile. Sich für eine Gruppenreise zu entscheiden ist vor allem altersabhängig, beziehungsabhängig und zielabhängig. 

Südkorea – 2014
Land der Morgenstille oder Land der Handys?

Die Republik Korea, auf der ostasiatischen Koreanischen Halbinsel zwischen Gelbem, Ostchinesischem und Japanischem Meer gelegen, teilt sich seit 1948 eine 243 km lange Landgrenze mit Nordkorea. Südkorea überlebte eine japanische Besatzungszeit Anfang des 20. Jahrhunderts und den Koreakrieg von 1950 bis 1953, in dem Nordkorea mit Unterstützung der Volksrepublik China und Südkorea mit Unterstützung der USA einen barbarischen Stellvertreterkrieg um die Herrschaft von Kommunismus oder Kapitalismus führten, der die Teilung des Landes manifestierte. Heute ist Südkorea weniger als Touristenmagnet bekannt, sondern mehr als boomende Industrienation.

Bolivien und ein bisschen Chile und Argentinien – 2011
Lamas, Cocablätter und faszinierende Landschaft

Bolivien ist ein Binnenstaat zwischen Peru, Brasilien, Argentinien, Paraguay und Chile. Ein Land, fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik mit 9,7 Einwohnern pro km² gegenüber der Bundesrepublik mit 226,9. In Bolivien leben mehr Lamas als Menschen. Über 50% der Bevölkerung sind Indios, einer davon Evo Morales, der Präsident des Landes. Die größte Gruppe der indigenen Völker ist die der Quechua mit einer eigenen Sprache, Amtssprache Boliviens ist spanisch. Wir begannen unsere Reise durch Bolivien nicht mit einer Landung in der Hauptstadt La Paz, wir besuchten auch nicht die Haupttouristenattraktion des Landes, den Titicacasee, sondern unsere Reiseroute führte uns in die hohen Kordilleren

Drei Wochen am Abgrund – 2013
Betrachtungen über eine Reise nach Sikkim und Bhutan

Sikkim war bis 1975 ein selbständiges Königreich und wurde ab dieser Zeit ein Bundesstaat Indiens. Bhutan, in der Landessprache Druk Yul, Land des Donnerdrachens, ist bis heute ein autonomes Königreich geblieben. Die beiden kleinen Länder, Sikkim, etwa ein Zehntel der Größe Bayerns mit ca. 600000 Einwohnern, und Bhutan, etwa so groß wie die Schweiz mit 800000 Einwohnern, liegen inmitten der Himalayariesen zwischen Nepal, Pakistan im Westen, Tibet und China im Norden, Burma und Bangladesh im Osten und Indien im Süden. …

Hawaii – 2012
Hawaii mit meinen Augen

Fast 16 Stunden fliegen wir der Sonne entgegen. Der Tag heute dauert zwölf Stunden länger, er fühlt sich endlos an. Wir starten gegen zwei Uhr mittags und kommen erst vierundzwanzig Stunden später nach überdrehter Stimmung und dem Nichtsagenkönnenwiemansichfühlt zur Ruhe und zu einem kurzen Schlaf. Der Körper braucht Zeit für die Zeitumstellung. Es geht ihm alles zu schnell. Wir landen spät abends in Hawaii, auf Oahu, Honolulu, Waikiki. Traumort, Kindheitstraum,

Vietnam – 2005
Ein nicht unpolitischer Reisebericht

Hilfe. Ich versuche verzweifelt in Saigon über die Straße zu gelangen und es scheint unmöglich: Massen von Motorrollern, dicht an dicht, Autos, einzelne Radfahrer dazwischen und immer wieder Rollerfahrer, die sich um Haaresbreite aneinander vorbeischieben und hupen und hupen, nicht bremsen, sondern einen nicht abreißenden Fluss bilden, der die Straße entlang fließt. Vergeblich suche ich die Lücke. Irgendwann erreiche ich die andere Straßenseite und habe das Gefühl, ein Abenteuer überlebt zu haben. Das Abenteuer erlebe ich in den nächsten drei Wochen unzählige Male – unversehrt. 

Der Jemen lebt – 2004
Berge, Ziegen, Plastik und 1001 Nacht

Das Tor zur orientalischen Märchenwelt ist wieder geöffnet. Über Mekka, das während des Nachtfluges in einem Lichtermeer bis zum Himmel strahlt, entsteht Tumult im Flugzeug. Alle arabischen Passagiere stürzen zum Fenster und blicken ehrfurchtsvoll, teils wild gestikulierend, teils laut artikulierend, teils betend auf ihre heilige Stadt. In San’a‘ wird unsere zwölfköpfige Reisegruppe von Isam, dem jemenitischen Reiseführer, und von Abdullah, Ali und Omar, unseren jemenitischen Fahrern, die uns zwei Wochen lang in drei Jeeps durch unwegsames Bergland und menschenleere Wüste fahren werden, begrüßt. Abdullah, Ali und Omar strahlen, sie freuen sich auf die Zeit …;

Qatar – Sonne, Wüste und vieles mehr – 2000

Qatar ist klein. Kleiner als Hessen. Qatar ist heiß, trocken, ölhaltig und deshalb reich. Und eine Reise wert. Das kleine Emirat am Persischen Golf gelegen und im Westen vom großen Bruder Saudi Arabien begrenzt, ist interessant zu bereisen, weil es, in sechs Stunden Flugzeit, angenehmen Badeurlaub in idealer Weise mit nachhaltigen Eindrücken aus der arabisch-islamischen Welt verbindet. Der Tourismus steckt in den Kinderschuhen und das ist gut so. In Qatars Hauptstadt Doha liegt das Zentrum des Landes, hier findet man drei oder vier große Luxushotels und wenn Reisende kleine Gasthäuser oder einfache Unterkünfte, an Campingplätze nicht zu denken, suchen, suchen sie vergebens. Wir residieren zehn Tage in einem dieser Hotels, einem pyramidenförmigen Bauwerk in orientalischem Luxus und arabischem Ambiente, dessen tropisch anmutender gepflegter Garten auf Wüstengrund der künstlichen Bewässerung mit entsalztem Meerwasser zu verdanken ist. In und um die Hotelanlage wuseln wie überhaupt in Doha und auf den Öl- und Gasfeldern indische, pakistanische, europäische und afrikanische Gastarbeiter . Freundlich lächelnd, bescheiden zurückhaltend

New York, New York – 1999 – Notizen im Laufschritt

Mein letzter New York-Aufenthalt liegt achtzehn Jahre zurück. Dieses Mal möchte ich meiner Tochter New York zeigen. Eine Woche lang. Die Einreiseformalitäten auf dem Flughafen erfordern Geduld und rufen Kopfschütteln hervor: seitenlanges Ausfüllen von Visa- und sonstigen Papieren sowie Frage- und Antwortspiel an der Passkontrolle entsprechen eher einem Dritte-Welt-Land als der größten High-Tech-Nation. Wir erreichen unser Hotel, Lexington Av./30th St, klein, einfach, dunkel (wir zahlen dennoch über 100 US$), die Lage erweist sich als ideal. Unser heutiger Tag bringt uns sechs Stunden mehr Zeit, wir ziehen gute Laufschuhe an und los geht´s: ein Block links, drei Block rechts

Was geht in Herrn Zhous Kopf vor? – Und/Oder welches Gesellschaftsbild vermitteln wir? – Reisegedanken aus China im Jahr 1997 

Zweieinhalb Wochen hatte Herr Zhou, unser Reiseleiter Zeit, unsere Reisegruppe zu beobachten. Er tat dies auf seine feine, zurückhaltende Art, meist, d. h. mir schien es so, be-sonders intensiv und nachdenklich, wenn er auf der hinteren Bank unseres Kleinbusses saß, während wir durch China reisten und Land und Leute bestaunten. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in China trat Herr Zhou unvermittelt hinter Herr Mol-lenhauer und fragte in seinem guten Deutsch: Wie viel Söhne haben sie zu Hause, Herr Mol-lenhauer? Bisher hatte Herr Zhou persönliche Fragen vermieden, er war einfach nur für uns da. Seine Frage gab Anlass zum Nachdenken. Herr M. hat keine Söhne; er hat überhaupt keine Kinder. Unsere Reisegruppe bestand aus acht Personen

Als Touristen in Israel im Schatten der Anschläge – 1996
„Wir wischen das Blut ab und das Leben geht weiter“

Unsere „Rundreise durch das Heilige Land“ hatten wir bereits im Januar gebucht. Ein Abwägen und Zögern wegen der permanent instabilen politischen Situation Israels war dem Rei-seentschluss vorausgegangen. Nun, nach den drei hintereinander folgenden Anschlägen innerhalb kürzester Zeit an exponierten Plätzen wurden wir unsicher. Kommt Urlaubsgefühl

Mit meinem Tagebuch in der Gran Sabana – 1993
– Abenteuer in Venezuela –

21. / 22.8. Der Frankfurter Flughafen gleicht einem Ameisenhaufen – nur sind die Ameisen bunter und tragen Koffer in der Hand oder schieben Gepäckwagen vor sich her und gefährden damit die Fersen anderer Ameisen. Erste Überraschung: unser Flug zur Isla de Margarita (Zielflughafen Porlamar), der „la perla“ Venezuelas, verspätet sich um drei Stunden. Nach drei Stunden Wartezeit steigen wir mit der Gewissheit ins Flugzeug, mittelamerikanische Gelassenheit geübt und erprobt zu haben. Venezuela empfängt uns